Sonntag 16. Juli 2006, 6.30 Uhr: Ein wunderbarer
Badetag im Strandbad Klagenfurt kündigt sich an.
[Auf die Bilder klicken zum GROSS ansehen]


6.50 Uhr: Und hier sind auch schon die ersten Ba-
degäste. Genau 2197 Frühaufsteher in Ganzkörper-
kondomen. Anm.: Das Bild zeigt 50% von ihnen. 


7.00 Uhr: Das sind die anderen 50% und die
Show beginnt...


Robert Labner, angehender Ironman


Ortsübliche Massenschlägerei auch im Lendkanal
zwischen Schwimmkilometer 3.0 und 3.8


Radumkehrpunkt zwischen Runde 1 und 2 bei
Minimundus und km 90.


Richtung Rupertiberg....


Der gefürchtete Rupertiberg (3km Länge, 12%
Steigung) war 2x zu bewältigen....


.... und auch beim zweiten Mal (bei km 153) habe
ich die Freunde rund um mich abgehängt: Roher
Bert auf der Bergauf-Überholspur !


Marathon-Kilometer 16: Warm war's...


... und auch anstrengend, wie dieses Foto veran-
schaulicht. Aber was tut man nicht alles, um...


...hierher zu kommen...



... und das zu kriegen:


Das war die Schwimmstrecke:


Das war die Radstrecke....


...samt Höhenprofil:


Das war die Marathonstrecke:


Und hier noch die Robert-Fotos aus dem Internet
(leider in vorläufig SEHR schlechter Qualität, die
bestellte CD wird noch ein paar Wochen auf sich
warten lassen):

.







 
Ironman Austria Triathlon am 16. Juli 2006 in Klagenfurt u.U.

Robert Labner und sein erster
Dreikampf über 3.8 km Schwimmen,
180 km Radfahren und 42,195 km
Marathonlaufen
(ein chronologischer Erlebnisaufsatz in der
Ich-Form, man verzeihe den etwas überbordenden Stil, denn für den
Herrn Labner ist das anscheinend eine sehr wichtige Angelegenheit).


Donnerstag 13. Juli: Bei der Registrierung in Eisenstadt ("Iron City")
kriege ich ein Armband mit der Aufschrift "Athlete" und dem Ironman-Logo.
Allerspätestens jetzt wird es also wirklich ernst, denn das Ding darf man
bis Sonntag nicht mehr runter nehmen. Ach ja: Außerdem hole ich beim
Ferlacher Radspezialisten mein tipptopp gewartetes Bike mit dem neu be-
schlauchten und bemantelten Hinterrad ab, das garantiert tausende Kilo-
meter patschenfrei rollen wird. Und die dafür berappten 70,- Euro kriege
ich genauso sicher wieder zurück...

Samstag 15. Juli: Check in des Fahrrades und der Wechselzonen-Säcke.
Rund um mich nur Mörderhenker und Cornettos und ich bin ein Mausi. Und
alle haben Räder, bei denen allein die Rahmen das Doppelte kosten wie
mein komplettes Gerät.

Sonntag 16. Juli, 3.30 Uhr: Der Wecker läutet in die Dunkelheit, aber ich
bin eh schon seit über einer Stunde putzmunter und fürchte mich vor mich
hin. Dann die übliche Ausdauersport-Wettkampftag-Morgenvorbereitung:
Müsli, WC, Trinken, WC, Fürchten, WC.

5.15 Uhr: Die Parkplätze beim Strandbad Klagenfurt sind ausgebucht, aber
einen Kilometer entfernt bei Minimundus kriegen wir noch einen der letzten.
Was ist schon ein Kilometer gegen 226 ?!?

5.29 Uhr: Bärbl verabschiedet sich, um noch einen der begehrten Foto-
und Anfeuerplätze auf den Strandbad-Stegen zu derwischen.

5.30 Uhr: Ich begebe mich in die Wechselzone, um wie alle anderen zu
schauen, ob meine Säcke richtig hängen und das Rad noch da ist (was
zwar blöd klingt, aber trotz relativ intensiver "Bewachung" wurden, wie
später in den Medien berichtet, insgesamt acht hochwertige Räder über
Nacht geklaut. Zum Glück habe ich nur einen VW GTI und die anderen die
Porsches [siehe oben], das ist das Gute im Schlechten).

5.45 bis 6.15 Uhr: Fürchten, pinkeln, fürchten, pinkeln !

6.16 Uhr: Nach dem Reinzwängen in den Neopren-Anzug fällt mir auf, dass
meine "Bade"haube (mit der Startnummer drauf) nicht da ist (ich habe sie
tatsächlich vergessen, [Panne Nr. 1]. Nach 10 Minuten Herumirren kriege
ich eine provisorische Ersatzkappe.

6.30 bis 6.45 Uhr: Immer mehr und mehr wie Autoreifen aussehende Men-
schen schleichen schmähstad in den Startbereich. Warten, fürchten, war-
ten und fürchten. Ein bisserl eher einsilbiges "Plaudern" mit Hari Fritz ("wir
sehen uns beim Laufen"). Die Musikanlage beschallt den sonnigen Hoch-
sommerfrühmorgen mit Xavier Naidoo: "Dieser Weg wird kein leichter
sein...."
. Ja, das sehe ich auch so. Schaunmirmal, wie lange der Weg sein
wird.

6.55 Uhr: Man darf ins Wasser rein und sich seinen Startplatz aussuchen.
Schreck lass nach: Die Schwimmbrille schließt plötzlich nicht dicht ab, beim
rechten Auge rinnt Wasser rein [Panne Nr. 2]. Ausgerechnet jetzt gibt das
Ding den Geist auf. Aber zu ändern ist es nicht, da muss ich jetzt durch und
links passt's ja. Und Chlor gibt's im Wörthersee ja zum Glück auch nicht -
dafür gleich einen anderen Zusatzstoff. Denn ich muss schon die längste
Zeit ein weiteres Mal so stark lulu, dass ich mir im hüfthohen Wasser sofort
keinen Zwang antue und sowohl die Tripant als auch den Neo von innen
aufwärme [Panne Nr. 3]. Rundum plötzlich entspannte Gesichter zeigen mir,
dass ich wohl nicht der einzige bin, der den Wörthersee"wasser"spiegel an-
hebt. Daher:

7.00 Uhr: Nix wie weg hier ! [2.197 Triathleten aus 47 Ländern kraulen los].

7.02 Uhr: Langsam wundere ich mich, wo die berüchtigten Extremwasser-
schlachten des Ironman-Triathlon bleiben. Aber ich schwimme ja auch ab-
sichtlich eher am Rand des Feldes und lieber einen kleinen Umweg, um der
Keilerei (ausnahmsweise ;-) auszuweichen. Geschätzte 150 bis 200 Meter
Zusatzschwimmen machen sich bezahlt, denn es geht dafür auf den ersten
drei Kilometern zügig und stressfrei und rhythmisch dahin. Nur irgendwann
dazwischen haut mir ein Streckenposten mit seinem Paddel fast eine auf die
Birne und "flüstert" mir zu, dass ich die nächste Wendeboje verpasse, wenn
ich nicht sofort scharf abbiege [Panne Nr. 4]. Diese Boje war halt nur am
Streckenplan nirgends drauf und ich bin zumindest nicht der einzige, der den
selben Rat vom freundlichen Paddler kriegt.

Ca. 8.02 Uhr: Jetzt geht lohoos mit der Nahkämpferei. Nach drei Kilo-
metern im Wörthersee schwimmt "man" für die letzten 800 Meter hinein in
den engen Lendkanal. Watsche links, Fußtritt rechts, Kopfuntertauchen
links, Wegschieber rechts. Einmal wundere ich mich, warum der Kerl neben
mir trotz Draufdrücken nicht verschwindet und merke, dass ich in dem gan-
zen Chaos an den Kanalrand geraten bin und den betonierten Uferrand un-
tertauchen möchte. Peinlich, denn offensichtlich war diesmal ich einer je-
ner Quertreiber, die allen immer auf die Nerven gehen [Panne Nr. 5]. Außer-
dem irritieren die algigen Boden-Schlingpflanzen, die man in der grauslichen
Kloake (?) bei jedem Armzug berührt und die sich auch manchmal um die
Füße wickeln. Und dann ist da noch der plötzliche Krampfansatz im linken
Wadl. Wurscht, keine Gnade für die Wade, nach 1:19:46 bin ich aus dem
Wasser draußen
(zwar nur als 1.636igster, aber hinter mir schwimmen
noch über 560 andere vor sich hin) und habe den für mich "unsichersten"
Part des heutigen Sporttages absolviert. Das Schwimmen ist halt nach wie
vor nicht ganz mein Metier.

8.20 bis 8.30 Uhr: Ich lasse mir in der ersten Wechselzone bewusst sehr
viel Zeit (9:28 min). Zwei nette Mädels helfen mir beim Neo-Ausziehen, wo
mit die Wadenkrampfgefahr beim Selberziehen an dem Gummizeug weg ist.
Sehr schön. Beim Ausparken des Rades gebe ich dem ORF ein wahrschein-
lich nie gesendet werdendes Interview: Reporter: "Wie war das Schwim-
men ?" Robert: "Hat statt gefunden." Reporter: "Ach, waren sie nicht zufrie-
den ?" Robert: Aber ja doch, alles genau nach Plan A". Und so war's auch:
Vorher hatte ich gehofft, zirka nach 1:20 aus dem Wasser zu sein und
nach 1:30 auf dem Rad zu sitzen. Bislang also perfektes Timing.

8.30 bis 11.32 Uhr: Die erste Radrunde über 90 km (Klagenfurt - Wörth-
ersee Südufer - Velden - Rosegg - St. Niklas - rauf zum Faaker See - mit
starkem Gegenwind leicht bergauf nach Ledenitzen - St. Jakob - Rosegg -
Velden - Schiefling - St. Egyden - Rupertiberg - Köttmannsdorf -Ludmanns-
dorf - Klagenfurt) läuft problemfrei und flott in 3:02 Stunden (also haar-
scharf am 30er-Schnitt vorbei). Die beiden Steigungen rauf auf's Faaker-
See-Plateau und vor allem der Rupertiberg (3 km Länge, 12 % Steigung)
sind gar kein Problem. Aber ich staune: Bergauf überhole ich Massen von
Leuten (die mir bergab dann mit ihren Luxusrädern teilweise wieder davon
rollen. Betonung auf "rollen", nicht "treten"). Noch etwas lässt mich ehr-
furchtsvoll staunen: Als ich ca. bei km 20 in den Gegenverkehrsbereich
zwischen Velden und Rosegg einfahre, kommen mir bereits die ersten Ver-
folger entgegen. Die Spitze ist sowieso schon durch, hat zu diesem Zeit-
punkt nach dem Schwimmen nicht 20 Rad-km wie ich, sondern schon deren
50 in den Beinen....

11.32 bis 14.58 Uhr: Die zweite Radrunde geht als Urinal-Etappe in die
Robert-AnnalenGeschichte ein und dauert nicht nur deshalb fast eine halbe
Stunde länger (3:25 Stunden). Viermal muss ich eine Pinkelpause einlegen,
weil ich den Rat, dass man beim Ironman nie genug essen und trinken kann,
so brav befolge. Außerdem kommt mir sowieso vor, dass ich während des
Radelns eigentlich nur futtere. Insgesamt verschlinge ich unterwegs 10
selbst mitgenommene Power-Gels, 5 Isostar-Riegel und 2,25 Liter Gator-
ade. Dazu kommen die bei den Verpflegsstationen geschnappten Gels (2),
Bananen (5, wenn ich richtig gezählt habe), Powerbar-Riegel (6) und alle
20 km im Schnitt ein weiterer Liter Flüssigkeit, entweder Wasser oder Elek-
trolytgesöff. In Summe irrsinnig g'schmackig, ein wahrer Gourmetausflug.
Auf der zweiten Radrunde wird es auch endlich so richtig schön heiß und
erreicht (wie später verlautbart) 29° Tageshöchstwert. Seit der Früh ist
der Himmel natürlich strahlend blau, nirgendwo Wolken, selten unterwegs
Schatten. Schwitz, schwitz. Irgendwann wundere ich mich, dass ein Stre-
cken-Marshall auf seinem Motorrad lange hinter mir fährt und sich Notizen
macht, bis mir auffällt, dass meine Startnummer weg ist [Panne Nr. 6]. Das
Ding hat sich vom Rücken gelöst, doch während das bei der Spitze ein Pe-
naltygrund wäre, lässt man mich Nachzügler ungeschoren ohne Zeitstrafe
davon kommen. Bärbl, Roland und Bernhard brüllen mich den Rupertiberg
rauf: "Das gibt's ja gar nicht, du überholst ja alle !" Und tatsächlich: Wie-
der lasse ich bergauf die meisten rund um mich stehen, wos was i warum...
Bei der Abfahrt merke ich plötzlich, dass ich einen platten Hinterreifen habe
weil der so komisch rumpelt [Panne Nr. 7]. Adrenalinstoß pur bei fast 60
km/h: Wenn's mich jetzt wegen des Patschen aufprackt, endet das böse.
Aber dann die überraschende Erkenntnis: Man kann auch mit Patschen
weiter fahren, das Ding rollt gar nicht so schlecht, sogar bremsen klappt
einwandfrei, nur in den Kurven ist's wie Glatteis. Wie war das mit dem neu-
en Reifen, der garantiert tausende Kilometer hält ?!? Jedenfalls beschließe
ich, auf das Reifenwechseln zu verzichten, ein bisserl Tempo raus zu neh-
men und die letzten 30 km nach Klagenfurt ohne Luft auf der Felge zu rol-
len. Es klappt unfallfrei - und die Temporeduzierung hatte vielleicht auch
etwas Gutes. Denn ein davor permanent zwickender Krampfansatz sowohl
im linken Wadel (welcome back) als auch im rechten Oberschenkel ver-
schwindet während dessen wieder. Der ganze Radsplit hat 6:28:26 ge-
dauert
, das war insgesamt Platz 1.692. Nicht wirklich befriedigend, aber
auch keine Katastrophe.

14.58 bis 15.08 Uhr: Die zweite Wechselzone sieht mich im Vergleich mit
der "Konkurrenz" so wie schon die erste ebenfalls äußerst lange (9:47 min):
In Ruhe Schuhe umgezogen, dick mit Sonnencreme eingeschmiert und die
Toilette besucht. Außerdem hält die blöde Lauf-Startnummer trotz des vor
her jahrelang bewährten Klebebandes nicht auf dem durchweichten T-Shirt
[
Panne Nr. 8
] und ich muss sie von Beginn an in die Hose stecken (schon
wieder regelwidriges Verhalten...;-) Beim Rauslaufen auf die Marathonstre-
cke bin ich knapp (7 min.) hinter dem vorgehabten zeitlichen Soll von Plan
A. Doch was sind 7 Minuten gegen eine Marathon-Ewigkeit bei brütender
Nachmittagshitze im völlig wolkenlosen Hochsommer ?!? Einer hat's schon
hinter sich: Gerade als ich zum Marathonstart hin laufe, schreit sich der
Moderator die Seele aus dem Leib, weil der Sieger aus Belgien in 8:07:59
ins Ziel kommt. Völlig unpackbar....

15.08 bis 19.41, Marathon-Time: Ich beschließe, angesichts der Hitze
beim Laufen überhaupt nicht auf die Uhr zu schauen, sondern das Ding
ausschließlich nach Gefühl anzugehen. Mal schauen, wie weit ich so kom-
me. Angeblich hat ja jeder Ironman-Einsteiger irgendwann spätestens nach
dem Halbmarathon gravierende Troubles, das gehört - so sagt man - fast
automatisch dazu. Kaum merke ich, dass es irgendwo zu zwicken (oder zu
zwacken) beginnt, nehme ich Tempo raus, lockere und schüttle unterwegs
so gut es geht auch aus. Das Ganze kommt mir mehr wie ein Eiertanz vor,
denn wie Marathonlaufen, außerdem folgt durchschnittlich alle zwei bis drei
Kilometer ein kurzer Stopp bei den Verpflegsstellen (hurra: Iso, Wasser,
Power-Gels, Bananen und Riegel - am Ende war's nur noch ein Runterwür-
gen von dem ganzen grauslichen pickerten und gatschigen Zeugs. Nie
wieder freiwillig Bananen !) Umso erstaunter bin ich, als ich am Ende des
ersten Halbmarathons dann doch auf die dort montierte Uhr schaue: HM1
in 2:14, ich hätte ernsthaft eher auf 2:45 bis 3:00 getippt. Sapperlot, viel
flotter als gedacht, fast verdächtig. Also sicherheitshalber nochmal ein
bisserl Tempo raus. Irgendwann rund um Kilometer 28 bin ich mir dann
plötzlich völlig sicher, dass ich das Ding einfach so weiter und damit ver-
blüffend problemfrei "nach Hause" laufen werde können. Die endlos langen
Geraden entlang der Bahnstrecke und des Lendkanals wären zwar normaler
Weise schwer nervtötend, aber in den letzten zwei Stunden eines Ironman
ist Denken sowieso nicht mehr die primäre Notwendigkeit, habe ich den Ein-
druck. Jedenfalls überhole ich ununterbrochen bzw. laufe an Langsameren
vorbei, die eine Halbmarathon-Distanz weiter hinten sind. Und Aberdutzen-
de, wenn nicht hunderte, müssen längst gehen, während ich noch immer
laufe. Obwohl: Mein Stil wird gegen Ende deutlich unrunder, die drei Unter-
führungen stellen gravierend komplexe Aufgaben dar (und zwar weniger
beim Rauf-, als beim Runterlaufen, weil die Oberschenkelstrecker zu strei-
ken beginnen). Trotz alledem: Ich laufe den kompletten Marathon durch,
muss nicht gehen, auch Hammermann kommt keiner vorbei. So souverän
und sicher habe ich mich am Ende eines Ausdauerbewerbes verblüffender
Weise fast noch nie gefühlt.

19.41: Einlauf in den Zielkanal. Ich fische die Startnummer aus der Hose
und halte sie vor mich, prompt belohnt mich der Moderator bombastisch (in
meinen Ohren) dröhnend: "Robert Labner - You are an Ironman !" Na
bitte, wenn der es mir zuruft, muss es stimmen. Der auch viereinhalb Stun-
den nach dem Sieger-Finish noch immer bummvolle Zieleinlauf mit Tribünen
auf drei Seiten ist sowieso ein Wahnsinn. Mit einer HM2-Zeit von 2:19 und
einer Marathonzeit von 4:33 (Laufsplit-Platz 1131) stehe ich - schwupps
- oben auf der Ziellinienrampe. Von wegen, dass ich da vor lauter Erschöp-
fung zwar irgendwie hin, aber nicht mehr rauf komme, wie ich noch in der
Nacht davor albgeträumt hatte. Der Marathon war übrigens schneller, als
2002 mein allererster solo gelaufener, auch nicht schlecht. Und die Gesamt-
zeit von 12:41:17 (ZWÖLF Stunden und einundvierzig Minuten !!!!) ist um
fast 20 Minuten schneller als die 13-Stunden-Schallmauer, die ich mir vor-
her als Optimalziel für den Tag meiner Träume gewünscht, aber nicht wirk-
lich für realistisch gehalten hatte.

19.42 bis ca. 20.05 Uhr: Hari Fritz hat im Zielbereich auf mich gewartet
(er war über seine neue Bestzeit 12:22 beim bereits dritten gefinishten
Ironman ebenso glücklich). Wir plaudern, essen in der Zielverpflegung ein
Pizzastück. Ich bedanke mich sehr aufrichtig für zwei Jahre Tipps, Motiva-
tion und Coaching, glaube, dass ich Hari mittlerweile fünf Biere für alle seine
positiven Prognosen schulde, wenn ich wieder mal zweifelte. Apropos: Alles
ist super, Hari holt sich ein Bier. Ich meine: "Ich nicht, wenn ich jetzt gleich
ein Bier trinke, schmeißt es mich wahrscheinlich um". Ich hätte es trinken
sollen, das Ergebnis wäre das selbe gewesen und Bier schmeckt bekanntlich
besser als Wasser.

Ca. 20.05 bis 23.30 Uhr: Das völlig unerwartete dicke Ende, das ich
überhaupt nicht kommen gemerkt habe und das wie aus dem Nichts plötz-
lich da war: Beim Anstellen für die Finisher-Urkunde wird mir schwarz vor
den Augen, ich klappe zusammen, bin kurz bewusstlos. Schön ausgepräg-
ter Kreislauf-Kollaps
[Panne Nr. 9] - und ab auf der Tragbahre in den
Medical-Aid-Bereich. Eine schwere Schüttelfrost-Attacke nach der anderen
und völlig obskure Blutdruck-, Puls- und sonstige Werte. Weil auch nach
einem ganzen Liter Infusion die Normalisierung noch immer auf sich warten
lässt, überlegen sich die sich mir widmenden der anwesenden Mediziner
(ein Dutzend Notärzte, ein Dutzend Turnusärzte, 100 Sanitäter, alle im Üb-
rigen sehr nett und freundlich, aber vollauf beschäftigt) eine Einlieferung
ins Krankenhaus ("Sie wären heute der fünfte, den wir von hier abtranspor-
tieren lassen, die von der Strecke direkt Eingelieferten noch nicht mitge-
zählt").

Kurzer Exkurs in die Außenwahrnehmung - hier der "Zielvorfall" aus
Sicht meines Bruders Roland:
"Nach deinem Zieleinlauf warteten wir
beim Ausgang auf dich. Nur warst du schneller draußen, als wir dort. So
vergingen rund 10 Minuten und dann probierte ich, dich von außen im Fress-,
Relax-, Massage und Whirlpoolbereich (des war super, da sind die Ironmen
und -ladies mit dem Gwand drinnen gesessen) zu sehen. Gelang aber auch
nicht. Bärbl ging dann zum Medical Aid Center und fragte, ob du dort liegst.
Als Antwort erhielt sei ein Nein (stimmte zu dem Zeitpunkt auch noch). So
trafen wir uns wieder, um zu überlegen, wie wir dich am besten finden kön-
nen. Aber du hast ja uns gefunden: Genau in diesem Moment unserer Un-
klarheit, in welchem Bierlokal am See du mit Harald schon sitzt, oder ein-
fach mit dem Rad schon wieder auf dem Weg nach Ferlach bist (zum Aus-
rollen) wurden wir auseinander geschoben, damit die Sanitäter dich rein-
schieben können. Ehrlich gesagt, dass gibt es normalerweise nicht. Wir
überlegen wo wir dich suchen können und du wirst genau in dem Moment
zwischen uns durchgeschoben. Hast echt cool ausgeschaut. Ganz weiß mit
leichtem Grün. Drei Minuten später ist dann mehr als locker der Harald ge-
kommen, hat mir dein Finisher-T-Shirt gegeben und mit einem Grinser be-
tont, dass du jetzt alles auf einmal geschafft hast. Eigentlich schade, denn
normaler Weise teile man sich sowas auf mehrere Triathlons auf. ER meinte
lachend, ihr seid gerade bei Pizza und Bier gesessen und dann bist halt kolla-
biert. Irgendwie muss der gestoned sein, so locker wie der drauf war.


Die von Hari informierte Bärbl scheint besorgter, als ich selbst, ist
aber zwischenzeitlich so nett und stellt sich an, um mein Rad und die Be-
kleidung aus den Wechselzonen abzuholen. Auch dort kippen die Finisher
reihenweise um und gibt es einen routinierten Shuttle-Dienst zum Medical-
Aid-Bereich. Insgesamt werden über 200 (!) sogenannte Ironman an die-
sem Tag noch weich und wegen Kreislauf-Kollapsen medizinische Hilfe brau-
chen, also ein beunruhigendes Zehntel aller Teilnehmer, die es bis ins Ziel
geschafft haben. Ein schwacher Trost: Ich bin zumindest nicht der einzige,
auch wenn mir das alles sehr peinlich ist. So ein Sch..., vor Kurzem habe
ich mich noch unverwundbar und eisern gefühlt, und jetzt das. Mittlerweile
ist es fast 23 Uhr, die dritte Infusionsflasche tropft in mich hinein und drau-
ßen begrüßt der Moderator nach wie vor jeden Zielankömmling lautstark mit
"You are an Ironman !". Doch dann kriege ich mich doch noch in den Griff,
meine Werte stabilisieren sich rasch auf Normalniveau und innerhalb von
weiteren 20 Minuten geht's mir wieder okay. Bärbl kann mich nach Hause
chauffieren, hurra. Der nette Onkel Doktor, mit dem es sich auch sonst
trotz seines Stress' länger nett plaudern ließ, meint auf meine Frage, wie
es denn zu so einem Kollaps kommen konnte und ob es normal sei, dass
ich das überhaupt nicht heran nahen bemerkt habe: "War das normal, was
du da heute gemacht hast ? Sehr viel Bewegung, fast 13 Stunden lang
und damit doppelt so lange wie je zuvor bei dauernder Kreislaufbelastung,
bei großer Hitze und prallem Sonnenschein. Betrachte das am besten als
würdigen Abschluss".